22:5 für Donau im Wiener Derby

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Okropiridse lässt sich nicht aufhalten. Foto: Ronald Wurwal
 

Gestern, Samstag, fand im Wiener Prater der lang erwartete Saisonsauftaktskracher zwischen Stade Viennois und der Rugby Union Donau Wien statt. Das Spiel zwischen den beiden Finalanwärtern gilt in der österreichischen Rugbyszene seit einigen Jahren als eines der Highlights jeder Saison. Im Derby geht es traditionell eher rauer als sonst zu, außerdem sind die Spieler von Stade die einzigen österreichischen Meisteraspiranten, die sich damit brüsten können, den Männern von Donau in den letzten fünf Jahren ein Unentschieden abgerungen, und die Piraten im Ligafinale gleich zweimal in die Verlängerung gezwungen zu haben.

Der beste Angriff Österreichs trifft auf die beste Verteidigung im Lande. Allerdings sieht man, dass Donau seine Hausaufgaben in der Saisonvorbereitung deutlich besser gemacht hat, als ihre frankophilen Rivalen. Die harte Verteidigung, auf welche Donau seit dem Trainerwechsel 2014 vermehrt Wert legt, macht sich bezahlt, der Angriff funktioniert nicht immer reibungslos, aber die Piraten halten den Ball über weite Strecken hinweg und spielen eine Phase nach der anderen mit Geduld und guter Spielübersicht. Die sonst für die harte und solide Verteidigung bekannte Mannschaft von Stade lässt die Piraten kontinuierlich über die Gainline und so rollt das Donaudampfschiff langsam aber sicher Richtung Tryline der Stadisten. Kurz vor der Halbzeitpause steht Donau infolge eines „Held-Up“s mit einem 5-Meter-Scrum vor dem Malfeld der Erzrivalen. Der Scrum von Stade steht naturgemäß unter Druck und der Mann am Ende des Donauscrums, Stephan Asboth, lässt sich nicht mehr aufhalten. Schnurstracks marschiert er über die Linie und erhöht den Zählerstand von 3 zu 0 auf 8 zu 0. Auch die Conversion sitzt und zum Halbzeitpfiff steht es 10 zu 0. Die Spieler von Stade sind genauso überrascht wie die mitgebrachten Fans, hatten sie doch vor dem Spiel einen deutlich anderen Spielverlauf erwartet. Vor allem vom Scrum hatten sich die Freunde des kämpfenden Hahns wohl deutlich mehr erwartet. Zwei Spieler in der ersten Reihe von Stade sind Stammspieler in der Nationalmannschaft, der Hooker sogar Kapitän derselben und der Tightheadprop Patrick Maurer war bis vor einigen Jahren ebenfalls Stammspieler in der österreichischen Nationalmannschaft. Der körperlich massiv überlegenen ersten Reihe von Stade stehen Mihajlovic, Spina und Kirchmaier gegenüber, jeweils 10 bis 20 Kilo leichter als ihre frankophilen Gegenüber und ohne nennenswerte Nationalteamerfahrung. Mihajlovic und Spina können allerdings Donauerfahrung ohne Ende vorweisen und lassen im Scrum wie gewohnt nichts anbrennen. Kirchmaier ist erst seit wenigen Wochen von der dritten in die erste Reihe befördert worden (#Kirchi16), macht aber den Mangel an Erfahrung mit beinahe absurder Körperkraft wett und so ist das Match der 16 Forwards nach anfänglichen Schwierigkeiten bald recht ausgeglichen. Die Backs von Donau machen ebenfalls alles richtig und so kann bald Sabo hinter der Stadetrylinie ablegen.

Der Angriff von Stade bleibt über weite Strecken ideenlos und ungefährlich. Meistens muss Dobner den Ball nach einigen wenigen Phasen mittels Kick zurück zu den Piraten spielen. Diese bedanken sich dafür und behalten den begehrtesten Rotationsellipsoiden Wiens für den überwiegenden Teil des Spiels. Sobald die Stadisten den Ball erobern können, geraten sie unter Druck und so pflückt sich Biamba einen Stadeball, der eigentlich für deren Backline gedacht gewesen wäre, aus der Luft und legt unter tosendem Geschrei der Donaufans einen Interceptiontry. Erst in der letzten Minute können die Spieler von Stade einen Ehrentry legen und das Spiel mit 5 zu 22 (aus ihrer Sicht) beenden. Donau ärgert sich ein wenig über den verpassten Bonuspukt, der durchaus dringelegen wäre und  Stade bleibt etwas verwundert darüber zurück, dass das Spiel so deutlich von Donau dominiert wurde. Aller Voraussicht nach werden die Stadisten im Sommer beim Ligafinale die nächste Chance bekommen, an den Eichenplanken des Donauschiffes zu kratzen. Die österreichische Rugbyszene freut sich schon jetzt darauf.

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Neuzugang Biamba macht für Donau wertvolle Meter.  Foto: Ronald Wurwal
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 Man of the Match: Stephan Asboth. Foto: Ronald Wurwal
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